Katholisch, ja klar!

Das 2013 verabschiedete Leitbild „Katholisch, ja klar!“ setzt sich umfassend mit dem „K“ in KjG auseinander. Was bedeutet es für die KjG und ihre Mitglieder, katholisch zu sein? Und warum ist dies ein so entscheidendes Charakteristikum des Verbandes?

Leitbild „Katholisch, ja klar!“

Mit dieser und vielen weiteren Fragen setzte sich die von der Landesversammlung 2013 ins Leben gerufene Arbeitsgruppe eineinhalb Jahre und im regelmäßigen Dialog mit dem Landesausschuss auseinander. 2013 konnte das Ergebnis ihrer Arbeit, das Leitbild „Katholisch, ja klar!“, verabschiedet und veröffentlicht werden. Auf 20 knackig formulierten Seiten wird hier ein klares Profil dessen entworfen, was die KjG als katholischen Kinder- und Jugendverband ausmacht. Auch dem Verbandspatron Thomas Morus werden einige Seiten gewidmet. Mit dem Leitbild möchte die KjG in Bayern ganz bewusst ihr katholisches Profil in Kirche und Gesellschaft diskutieren und schärfen. Ein gedrucktes Exemplar des Leitbilds „Katholisch, ja klar!“ kann in der Landesstelle bestellt werden. Dort sind außerdem auch die kompakten Argumentekärtchen erhältlich, die Antworten auf typische Vorurteile oder „Vorwürfe“, die KjG sei zu katholisch oder nicht katholisch genug, geben wollen: Argumentekärtchen „zu katholisch“ Argumentekärtchen „nicht katholisch genug“

Die KjG ist zu katholisch, weil…

Warum seid ihr als KjG Teil von Kirche, wenn…
  1. … es in der Kirche nur um Gottesdienste und Gebete geht!In der KjG sind diese zentralen Elemente vorhanden. Jedoch sind Gemeinschaft und Selbstbestimmung schon von der grundlegenden Intention unserer Jugendarbeit ebenso wichtig. Gemeinschaft erleben wir im Jugendtreff, beim Spielen, Basteln, Verreisen, etc., aber auch in der Spiritualität – ganz freiwillig. Selbstbestimmung bedeutet denn, dass wir selbst die Formen unserer Jugendarbeit entscheiden.
  2. … die Kirche nur Einstellungen von gestern vertritt!Als katholischer Kinder- und Jugendverband stehen wir zur Kirche und befähigen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, sich bewusst mit Wertevorstellungen auseinanderzusetzen, die auch über Glaubensrichtungen hinweg bestehen. Wir befassen uns aber längst nicht nur mit Traditionen, sondern vor allem auch mit der aktuellen Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wir setzen ganz bewusst innerkirchlich und außerkirchlich neue Impulse.Mit der Sichtweise von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen setzen wir innerkirchlich neue Impulse.Bei manchen Wertvorstellungen gibt es in der heutigen Zeit unterschiedliche Meinungen. Die KjG fordert zum Beispiel die Gleichberechtigung von Homosexuellen in der katholischen Kirche. Deswegen bietet die KjG unter KjGay Raum, sich mit diesem Thema zu befassen.
  3. …Kirche hierarchisch aufgebaut ist ohne Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen!Als katholischer Kinder- und Jugendverband sind wir Teil der katholischen Kirche. Das heißt aber nicht, dass wir als KjGler*innen zu allen Aussagen unserer Bischöfe und des Papstes „Ja und Amen“ sagen. Vielmehr setzen wir uns kritisch mit diesen Aussagen auseinander.Das leben wir ganz bewusst in der KjG, in der jeder eine Stimme hat, mitentscheidet und –gestaltet Kinder und Jugendliche werden in ihren KjG Pfarrgemeinden an den Wahlen der Pfarrleitung beteiligt. Alle vorhandenen Leitungsgremien in der KjG werden demokratisch gewählt und paritätisch besetzt.
  4. … in euren katholischen Verband nur katholische Christ*innen beitreten können. Dadurch schließt ihr Menschen ohne oder mit einer anderen Konfession aus.In Katholischen jungen Gemeinde heißt es: „In der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) schließen sich junge Christinnen und Christen zusammen (Mitglied der KjG kann jede/r werden, die/der die Grundlagen und Ziele des Verbandes bejaht.)“Dies bedeutet, dass die KjG Heimat zum einen für alle Getauften bietet – unabhängig ihrer Konfession –  und zum anderen ganz bewusst offen ist für alle bekenntnislosen Menschen oder Menschen einer anderen Religionszugehörigkeit, welche Anschluss suchen und den Werten der KjG zustimmen.
  5. … die gesamte Kirchengeschichte nur aus Skandalen besteht.Das ist sehr pauschal und undifferenziert, auch wenn gewiss die Menschen in der Kirche nicht alles richtig machen und einige in ganz besonderer Weise mit ihrem Tun das Wertebild der Kirche ganz erheblich verletzen.  Gewiss hat die Kirche in den vergangenen 2000 Jahren ihres Bestehens immer wieder Tiefpunkte erlebt. Diese wollen wir als KjG ganz bewusst zur Sprache bringen und diskutieren. Aufgrund unseres Auftrages der Verkündigung der frohen Botschaft sehen wir dies als Antrieb und besondere Herausforderung zur eigenen kritischen Reflexion, zur steten Erneuerung und zum aktiven Bekenntnis.
  6. … wenn heutzutage andere Angebote viel wichtiger sind.In unserer heutigen Gesellschaft gibt es vielfältige und kurzzeitige Angebote einerseits, anderseits zahlreiche neue Herausforderungen und Verpflichtungen, auf welche junge Menschen stoßen. Die KjG versteht sich  als vielfältiges Angebot, in welchem alle jungen Menschen Gemeinschaft erleben und frei bestimmen können. Zugleich bietet die KjG einen sicheren Ort, an dem sich junge Menschen ausprobieren oder ganz bewusst von den Herausforderungen zurückziehen können. Das sind heute wichtigere Lebenserfahrungen für junge Menschen denn je.
  7. … die ganze Kirche doch nur eine große Sekte ist.Was zeichnet für Dich eine Sekte aus? Weder die Kirche noch die KjG als Teil der Kirche ist eine Sekte. Jeder kann frei entscheiden, ob er oder sie Mitglied der Kirche bzw. der KjG ist. Die KjG im Besonderen versteht sich als Kinder- und Jugendverband für alle jungen Menschen – unabhängig ihrer Konfession und ihres Glaubens. Demokratie, Mitbestimmung und Toleranz sind zentrale Charaktermerkmale in der KjG  ebenso wie gelebter Glaube und gelebte christliche Werte. Dabei steht es jedem KjG-Mitglied frei, an religiösen Angeboten teilzunehmen
  8. … doch der Staat für die Bildung zuständig ist und nicht die Kirche.Aus dem Grundgesetz lässt sich der Bildungsauftrag des Staates ableiten, welchem dieser in vielfältiger Weise nachzukommen hat. Daher liegen  Bildungsangebote liegen nicht alleine in der Verantwortung der öffentlichen Hand, sondern werden an staatlich anerkannte, so genannte freie Träger übergeben. Die KjG ist ein gesetzlich anerkannter Träger der freien Kinder- und Jugendarbeit, welcher sich als offenes und vielfältiges Angebot an alle jungen Menschen richtet, in welchem Toleranz, Demokratie und Mitbestimmung von Klein auf zentrale Charaktermerkmale sind.
  9. … ihr jungen Menschen zu einer eigenen Meinung verhelfen wollt, aber dennoch die Märchengeschichten der Bibel erzählt.  Die KjG als demokratischer Kinder- und Jugendverband möchte gerade junge Menschen zur eigenen, kritischen reflektierten Meinungsbildung und Mitbestimmung in unserer Gesellschaft befähigen. Das gilt für alle Themen und geschieht unabhängig von der Bibel und deren Erzählungen. Jedes KjG-Mitglied kann sich deshalb ein eigenes Meinungs- und Glaubensbild über die Bibel machen und dieses frei und offen diskutieren.Gleichzeitig ist es Aufgabe einer historisch-kritischen Bibelauslegung die biblischen Texte vor ihrem sozio-kulturellem Hintergrund heute verständlich zu erklären. So sind die Texte eben nicht Märchengeschichten, sondern mit ihren jeweiligen Kernaussagen vor einem bestimmten Hintergrund entstanden. Ebenso besitzen die biblischen Texte eine zentrale Rolle für den Glauben, berichten sie doch von Gotteserfahrungen.

Ihr seid zu wenig katholisch, weil…

  • …KjGler*innen nie in den Gottesdienst gehen.Der Gottesdienst vor Ort ist nicht immer die attraktivste Form der Spiritualität von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Jugendgemäße Spiritualität ist oft von Orten, Zeiten und Gestaltungselementen abhängig. Diese sind für uns in der KjG wichtig, so dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene häufiger und bewusster Gottesdienst mitfeiern.Der Einbezug von Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen stellt auch immer laut KJHG § 11 ein Merkmal von qualitativer und professioneller Jugendarbeit dar. Beispiele sind dafür: Kinder- und Jugendgottesdienste, Wortgottesdienstfeiern, Andachten, Morgenbesinnungen, Pilgerfahrten, Sonnenaufgangswanderungen, usw.
  • …auf KjG Veranstaltungen keine Gottesdienste stattfinden.Doch, spirituelle Elemente spielen in unserer Arbeit eine wichtige Rolle. Vor allem auf mehrtätigen Veranstaltungen feiern wir Gottesdienste. Dabei greifen wir nicht nur auf Eucharistiefeiern, sondern auf vielfältige Formen der Spiritualität zurück.Diese spirituellen Elemente werden auch ohne Priester und pastorale Mitarbeiter*innen gefeiert, wenn diese z.B. nicht verfügbar sind oder auch mangelnde Fähigkeiten besitzen, auf Kinder und Jugendliche einzugehen. Beispiele hierfür sind: altersgerechte Wortgottesdienste, Themenbezogen zur Veranstaltung mit der Möglichkeit sich durch Fürbitten und Dank persönlich einzubringen, Morgeneinstieg, Abendausstieg, Beten vor dem Essen usw.
  • …in der KjG der Spaß und nicht der Glaube im Vordergrund steht.Die Angebote innerhalb der KjG orientieren sich an den Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dies liegt daran, dass die von Jesus vorgelebte Nächstenliebe immer im Spiel ist, wenn der Mensch im Mittelpunkt steht. Somit orientieren wir uns an dem diakonischen Ansatz. Es ist also gerade wichtig, dass in den Gruppenstunden gebastelt (Kreativität) oder Fußball gespielt (Bewegungsdrang) wird.
  • …KjGler*innen nicht nach der Moralvorstellungen der katholischen Kirche handeln. Durch gemeinsame Angebote, Austausch und Freiräume vermitteln wir Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor dem Hintergrund der katholischen Lehre Werte und Normen. Gleichzeitig befähigen wir sie zu einer kritischen Reflexion und differenzierten Betrachtung. Dabei werden Werte der katholischen Lehre als wichtig empfunden (z. B. Treue), aber die daraus abgeleiteten Normen kritisch hinterfragt (z. B. kein Sex vor der Ehe).Dabei meint eine kritische Hinterfragung, keineswegs nur eine Ablehnung der bestehenden Normen. Dies kommt auch schon in der Shell-Jugendstudie von 2010 zur Geltung. Auch aktuell ist die Meinung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Kirche gefragt. So wurde 2013 eine weltweite Umfrage zum Thema Ehe und Familie von Papst Franziskus angestoßen, deren Ergebnisse innerkirchlich diskutiert werden. Die Meinungen der deutschen Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurden vom BDKJ erhoben und veröffentlicht. (http://www.bdkj.de/bdkjde/bdkj-aktive/formulare/vatikan-umfrage.html)
  • …KjGler*innen sich schwer mit der katholischen Kirche identifizieren.Doch, denn alle Christ*innen zusammen sind Kirche. Somit gehört zur Kirche wesentlich die Vielfalt: Alle KjGler*innen, auch jene, die sich weniger mit Personen, Strukturen und Inhalten der Kirche identifizieren, sind Teil von Kirche.Das wird vor allem in der erlebten Kirche vor Ort spürbar, wie etwa in der „Gemeinde“ KjG oder auch in ihrer Pfarrgemeinde. Damit gestalten sie Kirche mit und entwickeln sie weiter.
  • …die KjG nur kommt, wenn sie finanzielle Unterstützung benötigt.Die Würzburger Synode (Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit) beschreibt eindeutig, dass die verbindlichen Strukturen vor Ort (Pfarrer, Pfarrgemeinderat, Kirchenverwaltung) angehalten sind, eine verbandliche Jugendarbeit materiell und durch Räume zu unterstützen. Konkrete Regelungen finden sich in den einzelnen Jugendplänen der Diözesen.Die Jugendpläne könnt ihr (demnächst) hier abrufen:
  • …die KjG Leitung zu wenig Kontakt zur „Amtskirche“pflegt.Die Verantwortung für eine gute Kommunikation liegt nicht nur einseitig bei der Jugend. Vielmehr ist es auch Aufgabe von pastoralen Mitarbeiter*innen, auf junge Menschen in geeigneter Weise zuzugehen. Dies bekräftigt auch die Würzburger Synode. Besonders die geistliche Leitung der KjG Pfarrei kann als Kontaktperson zur Amtskirche vor Ort dienen.Siehe Leitbild Katholisch ja klar.
  • …die KjG in Konkurrenz zur Ministrant*innenarbeit steht.Gleichzeitig KjG Mitglied und Ministrant oder Ministrantin zu sein, ist kein Widerspruch. Dies wird bereits in vielen Pfarreien praktiziert. Der Dienst als Ministrant*in ist oft ein Einstieg in die Jugendarbeit. Die KjG bietet großen Raum zur Entfaltung und die Möglichkeit nach und neben dem Dienst als Ministrant*in aktiv in der Pfarrei zu bleiben.
  • …KjGler*innen zu wenig beichten gehen.Woher willst du das wissen? Es gibt schließlich das Beichtgeheimnis.